Eine Konferenz des Frankfurter Arbeitskreises für politische Theorie und Philosophie
18./19.07.2003 in Frankfurt/Main
Mit einer Tagung unter dem Titel „Autonomie und Heteronomie der Politik - Politisches Denken zwischen Post-Marxismus und Poststrukturalismus“ haben wir im Sommer 2003 einerseits die bisherige theoretische Arbeit des Frankfurter Arbeitskreises zusammenfassen, vorstellen und einer Überprüfung durch andere ausgesetzen wollen, andererseits aber auch die bisher verfolgten Themen in einen breiteren Kontext stellen. Die Frage nach „Autonomie und Heteronomie der Politik“ ist ein Schnitt- und Kreuzungspunkt der bisherigen Diskussionen, insofern die gesamte poststrukturalistische Tradition die interne Problemhaftigkeit, „Unreinheit“, Fragmentierung und konstitutive Unverfügbarkeit von Gemeinschaft und kollektivem Handeln thematisiert (und dies mit verschiedenen Überlegungen erläutert), während komplementär dazu die Theorien der Hegemonie oder des „Empire“ den Bestimmungen der Politik durch ein als Macht (des Kapitals, des Staates, des Bürgertums etc.) verstandenes „Außen“ nachspüren.
Die Tagung hat das Interesse verfolgt, in verschiedenen Hinsichten zu diskutieren, wie weit politische Handlungen, Regulationen, Praktiken und Institutionen faktisch reichen, wo sie enden, woran sie stoßen und worin sie selbst immer schon bestimmt und somit abhängig sind. Die Frage nach „Autonomie und Heteronomie der Politik“ ist die Frage, wo Politik „nur“ Politik ist und nicht schon Macht oder Kultur und wie sie das, was sie ist, nur auf der Grundlage bestimmender, nichtpolitischer Faktoren ist. Dabei sind insbesondere die folgenden drei Schwerpunkte für die Konferenz von uns in den Blick genommen: 1. der Körper und das „Leben“ als Objekt und Grenze der Politik in Form der modernen Biopolitik; 2. Politik im Spannungsfeld von Eigengesetzlichkeit und faktischer Abhängigkeit von globalen wirtschaftlichen Logiken; 3. die Möglichkeit/Unmöglichkeit autonomer Politik als Generierung und Realisierung von legitimer Normativität. In allen diesen Feldern stellt sich die Frage, wie eine Theorie der Politik zwischen normativ-ethischen Ansprüchen und empirischen Spielräumen möglich ist, was sich aus post-marxistischen und poststrukturalistischen Theoriestrategien zu dieser Frage lernen lässt und inwiefern überhaupt nach den theoretischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte die Politik noch als Ort positiver sozialer Entwicklung oder zumindest der vernünftigen Beilegung von Konflikten denkbar ist.
Wir haben ein Thesenpaper erstellt, das unsere Überlegungen zu den Themenkomplexen der Konferenz vorstellt und einige Fragen aufwirft, die wir mit der Tagung ansprechen wollten. Dieses Paper wurde im Tagungsvorfeld an alle Referenten verschickt, es ist aber auch hier herunterzuladen (im pdf-Format, einen Betrachter dafür gibt es hier).
Inzwischen liegt auch die Publikation der Beiträge dieser Konferenz beim transcript Verlag vor.
| Freitag, den 18. Juli 2003 | |
|---|---|
| 11.00 | Eröffnung der Tagung |
| 11.30 - 13.00 | Andreas Niederberger / Andreas Wagner (Frankfurt) Politisches Denken zwischen Autonomie und Heteronomie. Einige grundsätzliche Thesen zu Poststrukturalismus und Post-Marxismus Moderation: Martin Saar (Frankfurt/Main) |
| 13.00 - 14.30 | Mittagspause |
| 14.30 - 16.00 | Alice Pechriggl (Wien/Klagenfurt) Biopolitik und die Grenzen demokratischer Instituierung Moderation: Andreas Wagner (Frankfurt/Main) |
| 16.15 - 17.45 | André Brodocz (Dresden) Die Autorität des Rechts, die Autonomie des Politischen und die Ironie des Normativen Moderation: Martin Nonhoff (Erlangen) |
| 17.45 - 18.30 | Pause |
| 18.30 - 20.00 | Alexander García Düttmann (London) Entscheidung und Souveränität Moderation: Philipp Schink (Frankfurt/Main) |
| Samstag, den 19. Juli 2003 | |
| 09.30 - 11.00 | Katharina Pühl (Berlin/Kassel) Zur Gouvernementalität von Geschlechterverhältnissen zwischen Herrschaft und Reform: neoliberale Ambivalenzen und politisch-theoretische Herausforderungen Moderation: Ina Kerner (Berlin) |
| 11.15 - 12.45 | Friedrich Balke (Köln) Selbstgesetzgebung, Selbstbehauptung, Selbstsorge: Die drei Stadien der Politisierung des 'bloßen Lebens' Moderation: Anne Wolf (Frankfurt/Main) |
| 12.45 - 15.00 | Mittagspause |
| 15.00 - 16.30 | Jens Badura (Tübingen) Dem Zwischen einen Raum lassen. Sondierungen zu Ethik, Politik und Widerstreit Moderation: Konstanze Baron (Konstanz) |
| 16.45 - 18.30 | Alex Demirovic (Wuppertal/Basel), Alexander García Düttmann (London), Johannes Angermüller (Magdeburg), Corinna Mieth (Bonn) Diskussion - Politisches Denken zwischen Post-Marxismus und Poststrukturalismus |